Liebe Eltern,
Corona verändert momentan alles. Vieles was bisher selbstverständlich war, wie zur Begrüßung Hände reichen, sich mit Freunden treffen oder einfach in der Stadt bummeln sind in Zeiten der Pandemie  'verboten' oder so vorsichtiger formuliert: 'ungünstig'.

Daher kann ich gerade werdende Mütter und junge Familien nicht so begleiten, wie ich es normalerweise gerne tue. Ich kann nicht wie sonst die ganze Familie einbinden:
den Vater bei den Untersuchungen dabei sein lassen oder die Geschwister das Baby wiegen lassen.

Wie einige von Euch mitbekommen haben, war ich kürzlich selbst in Quarantäne und habe auf  mein Testergebnis gewartet. Es ist heute gekommen und war negativ! (Ich hatte also einfach eine fiese Grippe oder ähnliches. Ab Montag bin ich wieder selbst für euch da!)

Es kann daher aber leider immer noch sein, dass ich selbst das Virus bekomme und dann (wieder) für einige Wochen ausfalle. (für den Fall versuche ich natürlich, wenn es mir möglich ist, euch Kolleginnen an die Hand zu geben)

Fest steht: Wir alle müssen vorsichtiger sein. Und notfalls schafft Ihr es auch ohne uns Hebammen. Deshalb möchte ich Euch hier schreiben, was jetzt anders ist.

Ich arbeite seit 2014 freiberuflich, erst als sogenannte Beleghebamme,  das heißt, ich begleitete Frauen vom positiven Schwangerschaftstest an: während der Schwangerschaft, bei der Geburt im Krankenhaus und durch die Zeit des Wochenbettes. Seit 2016 nun biete ich die Begleitung zur Geburt nicht mehr an. Ich betreue aber weiter in der Schwangerschaft und helfe in der Vorbereitung auf die neue Familiensituation, im Wochenbett zeige ich, wie man stillt, ich untersuche die Geburtsverletzungen der Frau und wiege das Baby regelmäßig.

Jetzt sprechen alle von social distancing/Kontaktsperre, dass man möglichst Abstand halten soll von Fremden und Freunden, die maximal 2 Personen versammelt sein dürfen... Das ist in meinem Beruf ziemlich schwer. Privat verlassen mein Lebenskomplize und ich das Haus nur noch, um einkaufen oder spazieren zu gehen. Freunde oder Familie treffen wir nicht mehr oder nur noch per Video Telefonie. Meine Hausbesuche im frühen Wochenbett muss ich natürlich trotzdem machen. Allerdings muss ich sie etwas umgestalten. Das bedeutet für Euch und mich folgendes:

1. Reduktion der Besuchszeiten:
Ich werde meine Besuchszeiten auf ein Minimum reduzieren.
Das heißt für Euch: Vor Corona habe ich Euch auch manchmal ohne dringenden medizinischen Grund vor der Geburt zu Hause besucht, um über die Erstausstattung zu sprechen oder um schon eine kleine Einführung ins Stillen zu geben. Das kann ich jetzt nicht mehr. Solange Ihr schwanger seid, werdet Ihr mich nur noch sehen, wenn es wirklich nötig ist. Bzw. Wäre mir lieber wir telefonieren oder vereinbaren einen Video Telefonie Termin.

Während vor Corona meine Hausbesuche rund 45 min gedauert haben, sehen wir uns vorerst bei den Hausbesuchen maximal 20 Minuten, auch wenn euer Baby bereits auf der Welt ist.

2. Vorab Telefonat:
Ich rufe vor jedem Besuch an und erkundige mich, ob alle gesund sind oder Symptome einer Infektion zeigen, ob Kontakt zu Infizierten oder Risikogebieten stattfand. Falls nur ein kleiner Verdacht besteht, muss ich den Termin ans Ende meines Arbeitstages legen und es sind spezielle Vorkehrungen zu treffen über die ich euch dann informiere. (vorausgesetzt, dass ich genug Schutzausrüstung habe, um mich vor einer Infektion zu schützen)

3. Haushygiene:
Wenn ich Euch zu Hause im Wochenbett besuche, werde ich Euch bitten, den Raum gut durchzulüften, bevor ich komme und natürlich auch, nachdem ich weg bin. Ich habe immer auf gute Hygiene geachtet, aber zurzeit bin ich noch pingeliger als sonst. Ich desinfiziere mir die Hände und wasche sie, bevor ich die Frau untersuche und natürlich auch nach den Untersuchungen.

4. Kontaktreduktion:
Vor Corona durfte gern die ganze Familie bei meinen Wochenbett Besuchen dabei sein und mir über die Schulter schauen. Die Geschwister binde ich normalerweise immer gerne in die Untersuchungen mit ein. Nun dürfen außer der Mutter und dem Baby keine weiteren Personen im Zimmer sein, wenn ich da bin. Ich möchte die Gefahr minimieren, dass ich mich mit dem Coronavirus anstecke.

5. Kontakt zu Infizierten:
Es kann auch sein, dass jemand in Eurer Familie oder Ihr selbst an Covid19 erkrankt oder der Verdacht besteht. Ich bitte Euch, dass Ihr mich dann rechtzeitig informiert, damit ich mich möglichst nicht anstecke. Wir finden eine Lösung zusammen.

6. Video Betreuung:
Ich habe mir überlegt, dass ich Euch in der Schwangerschaft und im Wochenbett per Videoanruf beraten könnte. Mit einer Puppe könnte ich dann zum Beispiel demonstrieren, wie Sie das Baby beim Stillen oder Baden halten sollen – und wie nicht. Oder wie ihr ein Tragetuch wickeln könnt.
Ich habe es noch nicht ausprobiert, kann mir aber vorstellen, dass das gut funktioniert. Ich kann Euer Baby dann zwar nicht wiegen, was ich bei Neugeborenen mache, um zu sehen, ob sie richtig zunehmen.
Aber ich kann auch aus anderen Faktoren erkennen, wie sich das Kind entwickelt. Ich sehe, ob Säuglinge zu dünn sind oder beispielsweise Gelbsucht bekommen haben, also wenn Haut und Augen sich verfärben, das Baby müde und träge wirkt. Und auch für das Wiegen in Eigenregie gibt es Möglichkeiten (vielleicht habt Ihr ja eine Kofferwaage zu Hause oder eine Küchenwaage?).

Für die Video Telefonie schicke ich euch einen Link einer 'jit.si' Konferenz mit Passwort. Ihr braucht dafür keinen Account, lediglich ein Klick auf den Link und ein PC mit Internet Zugang und günstigerweise einer Webcam (für mobile Geräte müsst ihr evtl eine app installieren). Der Anbieter jit.si stellt DSGVO konforme Video Telefonie (VoIP) zur Verfügung (jitsi.org). Es wird nichts aufgezeichnet und auch keine Daten gesammelt oder gespeichert oder an Dritte weiter gegeben. Bzgl unserer Zusammenarbeit und Kommunikation gelten die Vereinbarungen aus meinem Behandlungsvertrag, denen ihr schon zugestimmt habt oder denen ihr zustimmt  sobald ihr die Konferenz mit mir eingeht. (ich habe Schweigepflicht und erhebe lediglich die Daten, die ich zur Betreuung, Dokumentation, Abrechnung und Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften benötige.)

Es tut mir leid, wenn es grad nicht so läuft, wie Ihr es Euch gewünscht habt. Auch für uns Hebammen ist es eine große Umstellung unserer gewohnten Arbeit.

Genießt diese ersten Wochen und Monate mit Eurem Baby. Macht es Euch schön! Es ist zauberhaft zu sehen, was diese kleinen Wesen jeden Tag dazu lernen. Diese Zeit kommt nicht wieder!

Und bleibt gesund!

Herzliche Grüße
Eure
Hebamme Eva Marie Möller